Herzinfarkt
Wenn ein Blutgerinnsel eine der Herzkranzarterien verstopft, wird das dahinter liegende Herzmuskelgewebe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und stirbt ab, wenn es nicht gelingt, die Durchblutung rasch wiederherzustellen. Typische Symptome eines Herzinfarkts sind starke Schmerzen in der Brust und ein kalter Schweißausbruch.
Da das Vorliegen einer Arteriosklerose leicht unbemerkt bleibt und Plaques v.a. in der Aufbauphase instabil sind, kann ein Herzinfarkt auch ohne längerfristige Vorwarnzeichen auftreten. Menschen, die bereits spürbare Symptome einer Arteriosklerose haben, sind jedoch ganz besonders gefährdet, einen Herzinfarkt zu erleiden. Dazu gehören vor allem jene, die an einer Angina pectoris leiden, aber auch Patienten, die Durchblutungsstörungen in den Beinen (periphere arterielle Verschlusskrankheit) aufweisen oder einen Schlaganfall erlitten haben.
Zum hochgradig gefährdeten Personenkreis zählen außerdem Diabetiker, bei denen ein Herzinfarkt im Vergleich zu anderen Patientengruppen häufiger auch ohne akute Symptome ablaufen kann. Der Herzinfarkt wird dann erst später im EKG erkannt. Stumme Infarkte schädigen das Herz jedoch in gleichem Maße wie symptomatische, sind also nicht weniger gefährlich!
Herzmuskelschaden durch Arterienverschluss
Zum Herzinfarkt kommt es, wenn eines der Herzkranzgefäße durch ein Blutgerinnsel komplett verschlossen wird. Das Gerinnsel entsteht, weil eine arteriosklerotische Schadstelle in der Arterienwand aufbricht und Gerinnungsprozesse auslöst, die einen Pfropf entstehen lassen, der die Arterie verstopft.
In den hinter dem Verschluss liegenden Teilen des Herzmuskels kommt die Durchblutung vollständig zum Erliegen, das Fehlen von Sauerstoff schädigt das Muskelgewebe. Der Betroffene empfindet einen heftigen Schmerz hinter dem Brustbein, der in viele Bereiche des Oberkörpers und auch in Hals und Arme ausstrahlen kann. Kalter Schweiß tritt auf Stirn und Oberlippe, Atemnot und Kreislaufzusammenbruch können die Folge sein.
Infolge der Durchblutungsstörung wird der Herzmuskel geschädigt und stirbt ab, dies in umso größerem Ausmaß, je größer das Gebiet ist, das die verschlossene Arterie zu versorgen hatte, und je länger es dauert, bis die Arterie wieder für den Blutstrom durchgängig ist. Auch deshalb ist es wichtig, beim geringsten Verdacht auf einen Herzinfarkt unverzüglich den Notarzt zu rufen!
"Zeit ist Muskel"
Wie schnell der Betroffene in die Notfallversorgung gebracht wird, bestimmt entscheidend über den weiteren Verlauf des Herzinfarktes. Daneben spielen die Region des Gefäßverschlusses und die Menge des abgestorbenen Muskelgewebes für die Überlebens- und Genesungschancen eine wichtige Rolle. Geht so viel Gewebe verloren, dass das Herz nicht mehr richtig pumpen kann, droht der plötzliche Herztod – das Herz bleibt einfach stehen.
Bei mehr als der Hälfte der Patienten gelingt es, diese Notsituation zu überbrücken und das Herz zum Weiterschlagen zu bringen. Damit ist die Gefahr, dass sich Spätfolgen entwickeln, jedoch noch nicht gebannt. Als schwere Folgeerkrankungen können Herzrhythmusstörungen auftreten, oder der Herzmuskel verliert an Pumpkraft (Herzinsuffizienz).
Warnsignale
Rasches Handeln ist zwingend notwendig, denn wenn die Blutversorgung des Herzmuskels nicht innerhalb weniger Stunden wiederhergestellt wird, stirbt das Gewebe unwiderruflich ab.
Strenge Zielwerte fürs Cholesterin
Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, gelten als Risikopatienten für das Auftreten von Herzkreislaufkomplikationen. Deshalb geben die Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften für sie besonders strenge Zielwerte für die LDL-cholesterinsenkende Therapie vor: der Spiegel des LDL-Cholesterins sollte unbedingt auf Werte unter 100 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder 2,6 Millimol pro Liter (mmol/l) gesenkt werden, wenn möglich sogar darunter (mehr Informationen dazu im Kapitel
„Zielwerte für die Cholesterinsenkung“).