Herzschutz in Europa: Die Bilanz fällt mager aus
Kardiovaskuläre Risikopatienten werden in Europa immer noch nicht gut therapiert. Mehr als 80 Prozent haben von ihren Ärzten noch nie einen Hinweis bekommen, dass und wie sie ihr Leben herzgesund gestalten können. Auch bei der medikamentösen Prophylaxe gibt es wenig Fortschritt.
Dieses bittere Fazit zog David Wood, Imperial College School of Medicine, London, als er die Ergebnisse des Surveys EUROASPIRE III beim Europäischen Herzkongress vorstellte. In dem Survey waren die Daten von fast 6.000 Patienten aus zwölf Ländern eingeflossen, die zwar noch keinen Herzinfarkt hinter sich hatten, aber wegen ihres Risikoprofils als höchst gefährdet eingestuft werden mussten.
Es zeigte sich, dass die Patienten zwar gerne wissen möchten, wie es um ihr Herzrisiko steht, aber völlig falsche Vorstellungen davon haben, sobald sie unter Behandlung stehen: Die meisten glauben, ihr Risiko sei allenfalls mäßig erhöht und entspreche im Großen und Ganzen dem ihrer Altersgruppe.
Einige Zahlen, um die Dimension des Problems zu verdeutlichen: 43 Prozent sind zu dick, 71 Prozent haben einen zu hohen Blutdruck und 79 Prozent zu hohe Cholesterinwerte. Dem steht gegenüber, dass nur eine Minderheit kardioprotektive Arzneimittel erhält: Statine zum Beispiel, die als eine zentrale Säule im Risikomanagement gelten, nahmen gerade einmal 40 Prozent der Patienten. „Die Kontrolle von Blutdruck, Blutfetten und Blutzucker ist bei den meisten Patienten vollkommen unzureichend“, konstatiert Wood. „Die empfohlenen Zielwerte werden nur in Ausnahmefällen erreicht."
Was diesen Ergebnissen zusätzliche Brisanz verleiht, ist die Tatsache, dass sich seit den ersten beiden EUROASPIRE-Surveys so wenig getan hat. Schon damals stellten die Untersucher erhebliche Mängel in der Primärprävention und einen großen Bedarf an Verbesserungen fest. Offenbar haben nur wenige auf sie gehört.
Literatur:
David Wood. EUROASPIRE III. Präsentation beim Jahreskongress der European Society for Cardiology, München, 30. August bis 3. September 2008