Bei Statin-Intoleranz lohnt der Switch
Jeder zehnte bis zwanzigste Patient, der neu auf ein Statin eingestellt wird, verträgt es nicht. Nicht absetzen, sondern umstellen ist in solchen Fällen die Strategie der Wahl. Denn die meisten Patienten kommen gut zurecht, wenn sie einen anderen Wirkstoff erhalten. Selbst ein zweiter oder dritter Switch kann noch erfolgreich sein.
Eine alternde Bevölkerung, niedrige Eingreifschwellen und Zielwerte, viele Patienten mit hohem kardiovaskulären Risiko – mit einer steigenden Zahl von Patienten, die ein Statin benötigen, wird auch die relativ niedrige Unverträglichkeitsrate von 5 bis 10 Prozent zum Problem. Gut zu wissen, dass die Intoleranz gegen ein Statin nicht das Aus für die ganze Therapie bedeutet.
Zu diesem Schluss kommt die Arbeitsgruppe von Eric S. Kilpatrick, Hull Royal Infirmary, nachdem sie die Daten von 40 Patienten retrospektiv analysiert hat. Bei allen Patienten war aufgrund des hohen kardiovaskulären Risikos eine Statintherapie dringend indiziert, sie hatten aber auf den ersten verordneten Wirkstoff mit Nebenwirkungen reagiert.
Von den 40 überprüften Patienten konnten 26 mindestens ein halbes Jahr lang problemlos mit einem anderen Wirkstoff behandelt werden. Im Schnitt waren dazu zwei Umstellungen notwendig (das Spektrum reichte von eins bis vier). Nur ein Drittel der Patienten vertrug keine der überprüften Substanzen oder wollte aus anderen Gründen keinen weiteren Umsetzversuch.
Weshalb Patienten auf ein Statin mit Muskelschmerzen, Leberproblemen oder Diarrhö reagieren und ein anderes ohne Probleme vertragen, ist völlig unklar. Unterschiede im Metabolismus mögen eine Rolle spielen oder die Lipo- bzw. Hydrophilie des Moleküls. Die Briten schlagen vor, in Studien zu untersuchen, ob sich vorab ein spezifisches Patientenprofil für das ein oder andere Statin ermitteln lässt, um die Erfolgschance des ersten Versuchs zu erhöhen.
Literatur:
Rajesh K Nair et al.. Managing Patients With Statin Intolerance: A Retrospective Study. Br J Cardiol. 2008; 15: 158-160.