Leitliniengerechte Therapie sieht anders aus
Oktober 2008 – Weder in Europa noch in den USA erhalten kardiovaskuläre Risikopatienten durchgängig eine Behandlung, die den Leitlinien entspricht. Das gilt sowohl für die Behandlung von Hypertonie und Diabetes als auch – und sogar in besonderem Maße – von Dyslipidämien.
Neun Jahre therapeutische Praxis und mehr als 100.000 Patienten aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland überblickt der Survey, der soeben publiziert wurde, und er stellt Kardiologen und Hausärzten in den Industrienationen keine guten Noten aus. Bei nicht einmal der Hälfte der Patienten – wohlgemerkt, es handelte sich durchweg um Risikokandidaten – wurde das Serumcholesterin gemessen, geschweige denn ein Lipidprofil erstellt.
Entsprechend schlecht fielen auch die Therapieergebnisse aus: Beim Blutdruck erreichten weniger als ein Drittel der europäischen Patienten den Zielwert, in den USA immerhin etwa die Hälfte, beim HbA1c-Wert waren es etwas mehr. Ganz düster sieht es beim Cholesterin aus. Während in den USA auch hier etwa jeder zweite Patient das Therapieziel erreicht, wird in Europa nur eine Minderheit überhaupt behandelt. Und das ist die Situation am Ende des Beobachtungszeitraums – zu Beginn sah es noch schlechter aus.
„Eine bessere Adhärenz [der Ärzte] zu den Leitlinien ist dringend erforderlich, um den angestrebten klinischen Nutzen zu erreichen“, konstatieren die Autoren. „Der Anteil der Patienten, die die Therapieziele nicht erreichen, stellt eine Kohorte potenzieller Schlaganfall-, Infarkt- und Todesopfer dar, die mit den verfügbaren Therapien verhinderbar wären.“
Literatur:
Steinberg BA et al. Nine-year trends in achievement of risk factor goals in the US and European outpatients with cardiovascular disease. Am Heart J 2008; DOI: 10.1016/j.ahj.2008.05.020