Schlechte Statin-Compliance verdoppelt Sterberisiko
Oktober 2008 – Koronarpatienten, die ihre ACE-Hemmer, Betablocker und Statine nicht wie verordnet einnehmen, riskieren viel – ihre Gesundheit und sogar ihr Leben. Solche Adhärenz-Mängel könnten erklären, warum sekundärpräventive Arzneimittel im Alltag nicht denselben Nutzen entfalten, wie man ihn aus klinischen Studien kennt.
Zu diesem Schluss kommt eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler, nachdem sie Adhärenz und Outcome bei fast 16.000 Patienten mit koronarer Herzkrankheit retrospektiv abgeglichen hat. Die Adhärenz wurde als Anteil der Tage ermittelt, für den die tatsächlich eingelösten Rezepte ausgereicht hätten. Die Studie überblickt rund vier Jahre Therapie.
Die drei untersuchten Medikamentengruppen unterschieden sich in diesem Punkt nicht wesentlich: Betablocker wurden zu knapp 30 % nicht genommen, Statine zu etwas mehr als 25 % und ACE-Hemmer zu 22 %. Für jede Arzneimittelgruppe wurde dann separat der Einfluss der Adhärenz auf verschiedene Endpunkte berechnet.
Die Gesamtsterblichkeit stieg bei schlechter Compliance mit Betablockern auf das 1,5-Fache, bei ACE-Hemmern und Statinen verdoppelte sie sich nahezu. Ähnlich fielen die Ergebnisse für die kardiovaskuläre Mortalität aus. Außerdem erhöhte mangelnde Adhärenz das Risiko der stationären Einweisung aufgrund kardiovaskulärer Komplikationen und den Bedarf an Revaskularisationseingriffen.
Qualitätsverbesserung in der kardiovaskulären Sekundärprävention könne nicht nur darin bestehen, die Verschreibungsrate kardioprotektiver Medikation zu erhöhen. Sie müsse sich verstärkt darum kümmern, dass die Patienten die verordneten Arzneimittel auch einnähmen, betonen die Autoren.
Literatur:
Ho PM et al. Medication Nonadherence Is Associated With a Broad Range of Adverse Outcomes in Patients With Coronary Artery Disease. Am Heart J. 2008; 155: 772-779